Nachfolger über Jahre strategisch aufgebaut

Brandt und Wangler

Ich bin Fußballer«, sagt Peter Wangler, darum sei seine Devise auch für das Berufsleben: »Nur in der Mannschaft kann man erfolgreich sein.« Der 70-jährige Unternehmer ist Kapitän auf dem beruflichen Feld. Genau genommen »war«. Der Stratege hatte es nicht versäumt, rechtzeitig einen kompetenten Nachfolger aufzubauen. Am 1. November 2016 übergab er die Brandt & Wangler Kran und Transport GmbH in Magdeburg an Danilo Ebel. Den hatte er vor 17 Jahren eingestellt. Der gebürtige Magdeburger brachte Ausbildungen zum Maschinen- und Anlagenbauer, zum Nachrichtentechniker sowie zum Speditionskaufmann und Betriebswirt als berufliche Kompetenzen ein. Wangler spricht von seinem Gefühl für Menschen, das man speziell im Mittelstand entwickelt und das auch über das Bestehen auf dem Markt entscheidet. In Danilo Ebel, sagt er, habe er bald unternehmerisches Potenzial entdeckt.
Vor 27 Jahren gründete Peter Wangler sein Unternehmen, das Autokrane, Baumaschinen, Nutzfahrzeuge vermietet und verkauft, das Kranarbeiten, Industriemontagen und die Begleitung von Schwertransporten übernimmt. Das Westberliner Transportunternehmen Brandt ist als Partner längst ausgeschieden, aber im Firmennamen weiterhin präsent – »als Dokumentation, dass es menschlich zwischen uns passte und ich von ihm die Marktwirtschaft lernte«, sagt Peter Wangler. Zur Wendezeit konnte er 20 Jahre Berufspraxis im VEB Bau- und Montagekombinat Magdeburg aufweisen, viele Jahre davon als Leiter der Abteilung »Krane und Schwerlast«. Die zählten damals bei den Banken als Vertrauensbonus, ihm Kredit zu geben, um einen Betriebsteil des Kombinates bei der Treuhand einzulösen und zu privatisieren. Wangler erzählt abenteuerliche Geschichten aus den wirren Zeiten damals. Diese Erfahrungen sind so ganz anders als Danilo Ebel gerade den Übergang in die Selbständigkeit erlebt. Banken und Finanzamt verlangen exakte Nachweise, seien aber sehr konstruktiv in der Zusammenarbeit, sagt Ebel mit anerkennendem Blick zu seinem Seniorchef und Lehrer. Der hat einen guten Namen bei den Behörden, hat sein Unternehmen vom ersten Tag an korrekt und strategisch klug vorausplanend geleitet.
Und er hat die Selbständigkeit seiner Angestellten gestärkt. »Schließlich müssen die in ihrem täglichen Tun unterwegs und auf den Baustellen willens sein, selbst zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen«, sagt Peter Wangler. Seinem potenziellen Nachfolger habe er von Anbeginn Leitungsaufgaben übertragen und betriebliche Entscheidungen mit ihm gemeinsam besprochen. Er habe dabei zunehmend die computertechnischen Kompetenzen der nächsten Generation »genossen«, sagt er.
Genießen will der Familienmensch Wangler auch die Zeit, die nach einem aktiven Berufsleben kommt. Wann diese Zeit einsetzt, hatte er vor fünf Jahren zu seinem 65. Geburtstag selbst bestimmt. Seitdem ließ er seinem Nachfolger mehr und mehr Freiräume für eigene Entscheidungen über Produktionsabläufe. »So konnte sich in den letzten Jahren mein Wille festigen, den Betrieb zu übernehmen und zielgerichtet ein Nachfolgekonzept zu entwickeln«, sagt Danilo Ebel. Mit 48 Jahren sei der jetzt im besten Alter, ergänzt Wangler. Der strategische Fußballer kann also auch als Unternehmer den Ball abgeben. Jetzt hat er noch für drei Jahre einen Beratervertrag. Danilo Ebel greift gern auf die Erfahrungen des Unternehmensgründers zurück.
In dessem Sinne will er es fortführen. Wenn er auf äußere Einflussfaktoren mit Veränderungen reagieren muss, werde er das tun. Er habe aber gelernt, nicht an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Man müsse erst an einer gewinnen, um eine andere aufzumachen, sagt der Juniorchef.
(von Kathrain Graubaum)