Tourismus im Harz

Wirtschaft steht hinter Schierke

Für 30 Millionen Euro wollen die Stadt Wernigerode und die Winterberg Schierke GmbH am Winterberg ein touristisches Großprojekt auf die Beine stellen. Das Vorhaben beinhaltet neben einer Seilbahn mit Tal- und Mittelstation auch eine Aussichtsplattform sowie verschiedene Attraktionen. Die Schierker Bergwelten sollen als Ganzjahreserlebnis andere touristische Angebote der Region ergänzen. Von der Wirtschaft kommt breite Unterstützung.

Raumordnungsverfahren eröffnet

Schneekanonen bestellt. Sogar Gondeln für die Seilbahn wurden bereits in Auftrag gegeben. 22 Millionen Euro der Gesamtsumme will die Winterberg Schierke GmbH mit dem Unternehmer Gerhard Bürger an der Spitze investieren. Wohlgemerkt, sie will. Konnte aber nicht. Noch nicht jedenfalls. Denn was bisher aussteht, das ist ein für das Projekt positiv beschiedenes Ergebnis des noch laufenden Raumordnungsverfahrens. Der schwarz-rotgrüne Koalitionsausschuss der Landesregierung verständigte sich jetzt darauf, das Verfahren erst einmal fortzusetzen. Geprüft werden soll aber vor allem, wie das Projekt trotz der Einwände des Landesamtes für Umweltschutz umgesetzt werden kann.
Bisher war von dessen Seite her vor allem kritisiert worden, dass die geplante Seilbahntrasse ein Vogelschutz- und ein FFH (Fauna-Flora-Habitat-) Gebiet verletze. Der Winterberg sei zudem ein ökologisch sensibles Gebiet, und der Moorwald am Hang hätte europäischen Schutzstatus, lauteten die Argumente. Gerhard Bürger hat nun hierfür die Verlegung der Mittelstation als Kompromiss angeboten. Zweifel an den avisierten Touristen- und Übernachtungszahlen und somit am prognostizierten Aufschwung des Wernigeröder Ortsteils räumte Investor Bürger hingegen aus: Die Variante ohne alpine Nutzung rechne sich nicht, die mit hingegen schon. Das zeigten Vergleiche mit ähnlichen Projekten und eigens erstellten Studien, erklärte er bereits kürzlich vor gut 120 Einwohnern und anderen Interessierten im Rahmen einer Bürgerversammlung in Schierke.
Zunächst hatte dort der Unternehmer Frank Wodsack, der auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Heinrich Heine ein gleichnamiges Feriendorf für rund 14 Millionen Euro errichten lässt, über den aktuellen Stand der Arbeiten informiert. Wie hinlänglich bekannt, war das alte Hotel »Heinrich Heine« völlig desolat und auch nicht mehr zu retten gewesen. Es musste abgerissen werden. An gleicher Stelle entsteht nun ein Feriendorf: das Heinrich- Heine-Resort. 38 Einzel- und Doppelhäuser mit einer Kapazität von 196 Betten werden hier gebaut. Alle aus Holz und Stein. Mit Ofen und Sauna. Auch ein Spielplatz wird mit in die Anlage integriert. Zielgruppe seien nämlich vor allem Familien, so Wodsack. Die ersten Häuser wurden bereits aufgestellt. Im Dezember dieses Jahres soll die Anlage offiziell eröffnet werden.
»Das Feriendorf ist ein Leuchtturmprojekt für den gesamten Oberharz. Für Schierke genauso wichtig wie unser Vorhaben. Wir stehen in den Startlöchern, könnten mit den Bergwelten Schierke sofort loslegen«, erklärte Bürger zum geplanten Vorhaben weiter. Rückenwind hat das Vorhaben erst kürzlich von mehreren Seiten erfahren. Der Wirtschaftsclub Wernigerode befürwortet das Projekt. »Wir stehen als Wirtschaftsclub voll hinter dem Vorhaben«, erklärte Präsident Peter Schmidt beim Informationsabend.
Und auch die Schierker selbst stellen sich mit der Bürgerinitiative »Pro Winterberg« hinter das Projekt. Es sei eine einmalige Chance für Schierke, so Sprecher Werner Vesterling. Gerhard Bürger hofft auf weitere Impulse wie die der beiden genannten Institutionen. Dass das Projekt komme, stehe für ihn außer Frage. Und er sei überzeugt, dass das Wanderund Skigebiet Bergwelten Schierke als touristisches Großprojekt die wirtschaftliche Lage in Schierke deutlich verbessern werde. Anhand von Studien, wie sie auch für andere, ähnliche Projekte erstellt wurden, ließe sich das belegen. So rechnet Bürger mit 190.000 Besuchen der Angebote der Schierker Bergwelten. Das allein brächte 10 Millionen Euro Umsatz, Übernachtungen in Schierke nochmals 4 Millionen Euro. Diese Prognosen basieren auf der Grundlage von 90 Schneetagen im Jahr sowie 120 Tagen Winter- und 180 Tagen Sommerbetrieb. Ein Ganzjahresprojekt eben. Mit allem Drum und Dran. Mit alpinem Wintersport und zahlreichen anderen Angeboten. So wie der »Winterberg Kletterwelt« oder der Aussichtsplattform »Harzblick«. Oder den Anlagen des Holz- und Wasserspielplatzes und nicht zuletzt dem »Nocturnalium« - einer Ausstellung rund um den Luchs.
(von Frank Drechsler)

Unterstützung für Schierke aus Braunschweig und Magdeburg

Anfang dieses Monats trafen sich die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern Braunschweig und Magdeburg, Helmut Streiff und Klaus Olbricht, mit dem Vertreter der Investorengruppe Heinrich-Heine-Resort, Frank Wodsack, zu einem Informationsgespräch über die geplanten Investitionen in und um Schierke auf dem Brocken. Die beiden Hauptgeschäftsführer, Dr. Bernd Meier (IHK Braunschweig) und Wolfgang März (IHK Magdeburg), nahmen ebenfalls an dem Gespräch teil. Gemeinsam kamen sie zu der Einschätzung, dass die bereits fertiggestellten und geplanten Investitionen von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des Tourismus in Niedersachsen und Sachsen- Anhalt sind. »Wir unterstützen die Investorengruppe und fordern Politik und Verwaltung auf, alles dafür zu tun, dass diese zügig umgesetzt werden können«, fasste der Präsident der IHK Magdeburg das Gespräch zusammen.