Zusätzlichen Vitamine?

Die besten Stresskiller sind frische Nahrungsmittel

Wer unter den Stichworten »Stress« und »Nahrungsergänzungsmittel« im Internet sucht, findet ein riesiges Angebot an Power-Säften, Kapseln oder Pulvern. Aber wie sinnvoll sind diese zusätzlichen Vitamine, Mineralien & Co.?

Nahrungsergänzungsmittel

Wer sich ganz normal ausgewogen und möglichst von frisch zubereiteten Speisen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel«, sagt Dr. Ronald Biemann vom Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Uniklinikum Magdeburg. »Mit dem Lebensalter steigt auch die Bereitschaft für den Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln, von denen man sich etwa die Steigerung der Leistungskraft erhofft«, weiß der Ernährungswissenschaftler. Auch gesunde Menschen im Alter 50+ bräuchten nichts Zusätzliches.«

Modemittel

Bei einem Drittel der Bevölkerung liegen Vitalmittel hoch im Trend. Biemann räumt in diesem Zusammenhang mit einigen Legenden auf: Das Modemittel Zink zur Stärkung des Abwehrsystems könne sogar Übelkeit oder Magenschmerzen hervorrufen, wenn es als Nahrungsergänzungsmittel überdosiert wird. Magnesium helfe bei Muskelkrämpfen nach intensivem Sport, aber ein Stress-Killer sei der Mineralstoff ganz gewiss nicht. Und: Das Lieblings- Vitamin der Deutschen, das Vitamin C, bringe prophylaktisch eingenommen rein gar nichts. Zum einen bekomme der Körper bei gesunder Ernährung ausreichend davon, zum anderen könne er das Vitamin C nicht speichern. Es wird also gleich wieder ausgeschieden und tauge darum nicht, beispielsweise Infektionskrankheiten vorzubeugen. Allerdings gäbe es Hinweise darauf, dass während einer Erkältung eingenommenes Vitamin C die Krankheitsdauer verkürzen könne, sagt der Mediziner. Dass ein Vitamin B 12-Mangel müde und schlapp macht, wird von Ronald Biemann nicht bestritten. Ein sich abwechslungsreich ernährender Mensch hätte allerdings keinen Mangel an diesem Vitamin, das in vielen tierischen Lebensmitteln vorkommt und vom Körper fünf bis zehn Jahre gespeichert wird. Während einer Schwangerschaft oder im Wachstum könne es zwar zu Eisenmangel kommen, in den meisten Fällen reiche eine ausgewogene Ernährung aber aus, um ihn wieder auszugleichen, sagt Biemann. Er empfiehlt Fleisch, Fisch und Nüsse, die viel Eisen enthalten.

Körperliche und geistige Fitness

Der Ernährungswissenschaftler macht darauf aufmerksam, dass es immer auch Ausnahmen gibt, die aber meist mit Erkrankungen zusammenhängen und nicht durch Nahrungsergänzungsmittel therapiert werden sollten. Er plädiert dafür, dass man sich auch oder gerade in stressigen Lebensphasen Zeit für die Mahlzeiten und deren Zubereitung nimmt – am besten mit frischen Zutaten, in denen ausreichend Nährstoffe enthalten sind. »Wer darauf achtet, bleibt körperlich und geistig fit«, sagt Biemann und lässt in diesem Zusammenhang auch Schokolade gelten. Sie tauge – in Maßen – tatsächlich als Nervennahrung. Durch eine schnelle Steigerung des Blutzuckerspiegels liefere sie schnell Energie zum Gehirn. Um jedoch Heißhungerattacken zu vermeiden, sollten komplexe Kohlenhydrate in den täglichen Speiseplan eingebaut werden, beispielsweise in Form von Salat und Vollkornprodukten. Womit wir tatsächlich unsere Nahrung ergänzen sollten sei Jod, sagt Ronald Biemann und begründet das mit den jodarmen Böden in Deutschland. Die Verwendung des mit Jod versetzten Speisesalzes reiche allerdings aus.

Vitamin D

Unterversorgt seien wir ebenso mit Vitamin D, weil nördlich des 40. Breitengrades im Winter zu wenig von der UV-B-Strahlung ankommt, die dem Körper hilft, Vitamin D zu bilden. Zudem nähme die Syntheseleistung der Haut mit dem Alter ab. Vitamin D ist vor allem für die Knochengesundheit wichtig. »Gerade laufen Langzeitstudien über die Effekte zusätzlich eingenommener künstlicher Vitamin D-Präparate«, sagt der Ernährungswissenschaftler. »Da es bei der Einnahme auch zur Überdosierung kommen kann, sollte man sich zuvor beim Hausarzt informieren, ob sie im individuellen Fall sinnvoll und welche Präparate am besten geeignet sind.«
von KATHRAIN GRAUBAUM